Mein Rechtsweg

Wie ich als Texterin einen rechtssicheren Retainer Vertrag für Kunden erstelle

Drei Kündigungsklauseln habe ich in einer einzigen Woche umgeschrieben, bevor mir klar wurde, dass keine davon wirklich hielt, was sie versprach. Rechts von mir flackerte der alte zweite Monitor mit gefühlt einem Dutzend offener Tabs zu fremden Musterverträgen, während das Licht durchs hohe Altbaufenster meiner Plagwitzer Wohnung langsam grau wurde. Ich wollte den heiligen Gral des Freelancings: einen Retainer-Vertrag, der mir monatlich ein festes Honorar sichert, ohne dass ich mir im Freelance-Recht eine Haftungsfalle einhandle. Die Vorfreude auf planbare Einnahmen als Texterin war da – aber die Sorge vor genau der einen Klausel, die mir später auf die Füße fallen könnte, war lauter.

Kurz zur Transparenz, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu Tools, die ich selbst für meine Verträge nutze. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Und noch wichtiger – ich bin keine Juristin, sondern Texterin, die sich das hier selbst erarbeitet hat. Für deinen konkreten Fall ersetzt dieser Eintrag keine anwaltliche Beratung.

Der Novemberabend, an dem die Freistellungsklausel mich wachhielt

Der Heizkörper hinter meinem Drehstuhl knackte in unregelmäßigen Abständen, fast so nervös wie ich selbst. Ich korrigierte zum wiederholten Mal die Klausel zur vorzeitigen Kündigung und fragte mich, ob eine simple E-Mail-Bestätigung im Ernstfall überhaupt ausreicht. Was mich an diesem Abend wirklich ins Schwitzen brachte, war ein Begriff, den ich bis dahin nur überflogen hatte: die Freistellungserklärung. Insgeheim hoffte ich, dass mein zukünftiger Kunde nicht merkt, wie frisch mein Wissen darüber eigentlich war.

Genau in solchen Momenten dachte ich an das kostenlose Impressum-Generator-Tool, das ich 2019 für meine allererste kleine Seite benutzt hatte – Jahre später erfuhr ich zufällig, dass die Vorlage längst veraltet war und mehrere Pflichtangaben fehlten. Diesmal wollte ich nicht wieder auf gut Glück basteln, vor allem nicht bei einem Vertrag, der über meine Haftung entscheidet. Also grub ich mich durch den Unterschied zwischen einem Dienstvertrag (ich schulde die Tätigkeit) und einem Werkvertrag (ich schulde ein bestimmtes Ergebnis). Für Texterinnen ist diese Abgrenzung kein Detail für Juristen – sie entscheidet, wie eine Abnahme läuft und wer haftet, wenn ein Kunde mit dem Text unzufrieden ist.

Freelance-Texterin tippt einen Retainer-Vertragsentwurf mit Klauseln zur Kündigungsfrist

Sieben Wochen später: Was ich eigentlich gesucht hatte

Sieben Wochen nach diesem Abend saß ich immer noch zwischen zwei schlechten Optionen: teure Kanzleitermine auf der einen Seite, wacklige Gratis-Vorlagen aus dem Netz auf der anderen. Birgit, eine Webdesignerin aus unserem Leipziger Freelancer-Kreis, schickte mir irgendwann kommentarlos einen Link – typisch für sie, sie erwartet einfach, dass man sich selbst durcharbeitet. Der Link führte zum Paket Vertrag und AGB für Online-Unternehmer, und was mich überzeugte, war die Marktpräsenz: Der Anbieter existiert seit über acht Jahren, was in der schnelllebigen Tool-Welt fast wie eine Ewigkeit wirkt.

In der gleichen Woche lief nebenbei ein DSGVO-Check für meine Website, den ich schon länger vor mir hergeschoben hatte – und als der Scanner plötzlich nur noch grüne Häkchen anzeigte, musste ich kurz innehalten und breit grinsen, ganz allein vor dem Bildschirm. Dass Texterinnen überhaupt eigene AGB brauchen, ist nochmal ein eigenes Thema, das ich hier nicht aufrollen will. Wichtiger für den Retainer-Vertrag war eine andere Erkenntnis: Bei Verträgen mit Verbraucherinnen gelten gesetzliche Fristen, an die ich vorher nicht gedacht hatte, während bei reinen B2B-Retainern wieder andere Regeln greifen.

Mein eigentlicher Aha-Moment kam aber woanders her – ein zu detaillierter Vertrag schränkt meine Flexibilität als Texterin massiv ein. Früher dachte ich, ich müsste jede Headline und jedes Komma vertraglich festzurren. Heute weiß ich: Das erzeugt bei jeder kleinen Änderung nur zähe Nachverhandlungen. Ein Rahmen mit klaren Leitplanken funktioniert besser als ein starres Korsett.

Was sich änderte, sobald die AGB im Hintergrund liefen

Nach drei Monaten hatte ich die ersten Verträge mit diesem Baukasten fertig. Die Rückmeldung überraschte mich: Kein einziger Kunde stellte noch Rückfragen zu Kündigungsfristen oder Zahlungszielen, weil die AGB das im Hintergrund längst regelten. Genau in dieser Phase stieß ich auch auf die Preisauszeichnungspflicht für Dienstleistungen als Freelancerin – wieder so ein Punkt, den man meistens erst entdeckt, wenn man ihn falsch gemacht hat.

Für die laufende Compliance meiner Website nutze ich inzwischen easyRechtssicher, vom selben Anbieter wie das AGB-Paket. Die Refund-Rate liegt bei nur 2,72 Prozent, und bei einer Marktpräsenz von über acht Jahren scheint es nicht nur mir so zu gehen, dass sich der monatliche Aufwand für mich rechnet. Es fühlt sich an wie ein Apothekenbeipackzettel: Niemand liest ihn zum Vergnügen, aber im Ernstfall ist man froh, genau nachschauen zu können, was zu tun ist.

Rechtliche Checkliste für Freelancer-AGB und Retainer-Vertrag auf einem Tablet

So fühlt sich ein Retainer-Vertrag ohne Herzklopfen an

Eines Morgens im Mai verschickte ich einen neuen Retainer-Vertrag an eine Agentur, ohne vorher noch einmal jede Formulierung zu prüfen. Kein Herzklopfen, kein stundenlanges Grübeln – meine AGB liefen im Hintergrund einfach mit, fast wie eine unsichtbare Absicherung. Die freie Zeit nutzte ich, um mich endlich der Frage zu widmen, wie ich meinen ersten Lead Magnet DSGVO konform anbiete, was vorher ewig auf meiner Liste liegen geblieben war.

Was sich seitdem konkret geändert hat: Meine Retainer-Verträge haben feste Mindestlaufzeiten, meist rund drei Monate, und genau festgelegte Kündigungsfristen. Das gibt mir Planungssicherheit, wenn die Miete in Leipzig fällig wird, egal was gerade sonst im Business los ist. Professionalität fängt eben bei den unspektakulären Dokumenten an, nicht bei der schicken Website. Es ist wie beim Zähneputzen: Man macht es nicht aus Begeisterung, sondern weil die Alternative unangenehmer ist.

Erleichterte Freelance-Texterin am Schreibtisch nach dem Versand eines rechtssicheren Retainer-Vertrags

Was ich mir im November gern selbst gesagt hätte

Hätte mir damals jemand gesagt, dass AGB nicht dazu da sind, Kunden zu nerven, sondern beide Seiten schützen, hätte ich mir einige schlaflose Nächte gespart. Wer gerade an dem Punkt steht, an dem ich im November stand, findet mit dem AGB-Modul für Online-Unternehmer einen Rahmen, der genau auf freie Kreative zugeschnitten ist, statt auf große Agenturen.

Man muss keine Juristin sein, um als Solopreneurin einen Retainer-Vertrag im Griff zu haben – man muss nur aufhören, jedes Detail regeln zu wollen, und stattdessen die drei, vier Punkte klären, die im Streitfall wirklich zählen: Laufzeit, Kündigungsfrist, Zahlungsziel und Leistungsumfang. Genau das ist die Lektion, die den restlichen Papierkram im Business inzwischen so viel leichter macht.

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