Mein Rechtsweg

Datenschutz im Coworking Space: Wie ich meine Kundendaten unterwegs schütze

Ich schiebe den Laptop-Deckel noch im Stehen ein Stück zu, bevor ich mich überhaupt an den Tisch setze – ein Reflex, den ich mir erst in den letzten Monaten angewöhnt habe, seit mir klar wurde, wie viele fremde Blicke in einem offenen Coworking Space über Bildschirme wandern. Coworking-Sicherheit für Kundendaten war lange nur eine Randnotiz in meinem Datenschutz-Tagebuch, direkt nach dem letzten Klick im DSGVO-Schritt-Generator, mit dem ich meine Website einst rechtssicher gemacht hatte.

Dann schrieb mir Manfred Küppers, der meine Artikel liest, seit ich den allerersten veröffentlicht habe, eine Nachricht, die kurz und bündig war, wie er es mag: Reicht eine Blickschutzfolie, damit die Daten meiner Kunden im Coworking Space sicher sind? Er hat wenig Geduld für technisches Kleingedrucktes und will die Essenz in einem Satz. Und genau da liegt das Problem.

Nein, reicht sie nicht. Eine Blickschutzfolie ist ein Baustein, kein Schutzschild, und der Trugschluss, dem nicht nur Manfred aufsitzt, klingt trotzdem einleuchtend: Wer online sauber ist, hat den Datenschutz für Kundendaten angeblich schon erledigt.

Bei mir liefen Cookie-Einwilligung, lokal eingebundene Google Fonts und der Double-Opt-in im Newsletter längst rund, dazu Auftragsverarbeitungsverträge für die Tools, die ich täglich nutze, und eine Datenschutzerklärung, an der ich nicht mehr nachts herumbastelte. Genau dieses gute Gefühl hat mich getäuscht. Ich weiß noch genau, wie der allererste echte Auftrag über mein neues Kontaktformular hereinkam, wie die frisch eingebaute Datenschutz-Checkbox anstandslos mitgeschickt wurde und kein einziges rotes Fehlerfeld aufblinkte – dieser kleine Sieg hat sich in mir festgesetzt und mir eingeredet, die Arbeit sei mit der Website getan.

Genauso hatte ich früher den Facebook-Pixel eingebaut, ohne vorher eine Einwilligung einzuholen, und daraus gelernt, dass ein Tool nie automatisch sauber ist, nur weil halb Leipzig es benutzt. Der Fehler saß tief, aber er hat mir auch gezeigt, dass Lernen in diesem Bereich nie mit einem einzigen Häkchen endet. Online nicht, und unterwegs erst recht nicht.

Der Unterschied zwischen digitalem und physischem Datenschutz

Blickschutzfolie auf dem Laptop-Bildschirm schützt Kundendaten im Coworking Space

Rechtlich hängt das an Artikel 32 der DSGVO, der technische und organisatorische Maßnahmen verlangt, die zum jeweiligen Risiko passen – ein Coworking-Tisch mit fremden Blicken auf meinem Bildschirm ist ein Risiko, das keine Checkbox der Welt abfängt. Mehr Theorie braucht es an dieser Stelle nicht, wichtiger ist, was praktisch daraus folgt.

Die Frage nach dem Impressum auf meinen Visitenkarten hatte mir früher schon Kopfzerbrechen bereitet, und am Marktplatz in der Leipziger Innenstadt wurde mir auf ähnliche Weise klar: Compliance ist kein reines Bildschirmthema. Papierkram, Gespräche, offene Laptops – all das zählt mit, nur denkt kaum jemand von uns Solopreneurinnen daran, weil die Aufmerksamkeit meist an Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Banner hängenbleibt.

Eine Blickschutzfolie auf dem Laptop macht genau eines: Aus einem seitlichen Blickwinkel wird der Bildschirm für alle außer mir dunkel. Das verhindert das beiläufige Mitlesen am Nachbartisch, löst aber nicht, was passiert, wenn ich kurz aufstehe, mein Gerät entsperrt liegen lasse oder Kundennamen laut am Telefon ausspreche, während jemand neben mir Kaffee holt.

Was tun, wenn im Coworking Space fremde Augen mitlesen?

Hand befestigt eine Blickschutzfolie vor dem Laptop-Bildschirm

Drei Gewohnheiten haben bei mir mehr gebracht als jedes einzelne Tool. Die Bildschirmsperre springt nach einer Minute ohne Bewegung automatisch an, auch wenn das bedeutet, dass ich mich beim Nachdenken öfter neu einloggen muss. Meine Festplatte ist vollständig verschlüsselt, sodass ein gestohlenes Gerät zwar ärgerlich, aber kein Datenleck für meine Kunden wäre. Und Namen, Projektdetails oder Zahlen spreche ich am Telefon oder in der Gemeinschaftsküche grundsätzlich nicht laut aus, so verlockend es manchmal ist, schnell etwas zu klären.

Videocalls mit Kunden sind der Punkt, an dem viele Solopreneurinnen zuerst stolpern, weil ein offener Bildschirm im Coworking Space plötzlich das ganze Gespräch für den Nachbartisch mitüberträgt. Wie ich das für meine eigene Beratung löse, habe ich an anderer Stelle beschrieben, als ich passende Videokonferenz-Tools für Kundengespräche DSGVO-konform ausgesucht habe – seitdem nutze ich für sensible Calls grundsätzlich einen der geschlossenen Räume, die die meisten Spaces anbieten, statt die offene Fläche.

Ein VPN ist kein Freifahrtschein

Laptop mit VPN-Verbindung und Kaffeetasse auf einem Tisch im Coworking Space

Renée Faßbender, eine Grafikdesignerin aus Hamburg, die ich über eine DSGVO-Facebook-Gruppe kennengelernt habe, ist bei kostenlosen Tools deutlich skeptischer als ich. Als ich ihr erzählte, dass ich kurz überlegt hatte, mir für unterwegs einfach den nächstbesten kostenlosen VPN-Dienst zu installieren, hat sie mich ziemlich schnell wieder runtergeholt: Ein Anbieter, der selbst kaum Angaben zu seinem eigenen Umgang mit Daten macht, ist kein Sicherheitsgewinn, nur weil er "VPN" im Namen trägt.

Seitdem achte ich weniger auf das Etikett und mehr darauf, dass die Dienste, die ich sowieso nutze, sauber verschlüsselt sind und ich mit den Anbietern, bei denen Kundendaten landen – etwa meinem Cloud-Speicher – einen Auftragsverarbeitungsvertrag habe. Das lokale WLAN im Coworking Space, kombiniert mit Diensten, die ohnehin Ende-zu-Ende verschlüsseln, bringt mich meistens weiter als ein VPN, dessen Anbieter ich gar nicht kenne.

Solopreneur-Tipps für den Coworking-Alltag

Wer das nächste Mal mit dem Laptop in einen Coworking Space geht, kann sich eine einzige Frage stellen: Was würde passieren, wenn genau jetzt jemand über meine Schulter schaut oder meinen Bildschirm entsperrt vorfindet? Aus der Antwort ergibt sich fast automatisch, was noch fehlt – eine Sperrzeit, eine Verschlüsselung, ein ruhigerer Platz für Kundentelefonate oder ein geschlossener Raum für den nächsten Videocall.

Manfred hat inzwischen seine eigene, kürzere Antwort gefunden: Blickschutzfolie plus Bildschirmsperre plus Mund halten am Kaffeeautomaten. Es ist nicht die ganze Wahrheit, aber ein solider Anfang, und genau darum geht es – nicht um eine perfekte Liste, sondern darum, im echten Raum genauso aufmerksam zu sein wie auf der eigenen Website.

Kundendaten zu schützen bedeutet eben nicht nur, das richtige Kästchen auf der Website zu setzen, sondern auch im Coworking Space aufmerksam zu bleiben, wenn niemand hinschaut. Diese Verantwortung hört an der Wohnungstür nicht auf, und sie beginnt auch nicht erst, wenn eine Abmahnung im Postfach landet.

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