
Ein einziges Kundenbriefing, das ich in ChatGPT einfüge, verlässt binnen Sekunden meinen Rechner und landet auf einem Server in den USA – noch bevor die KI überhaupt eine Antwort geschrieben hat. Genau an diesem Punkt fängt KI-Rechtssicherheit für Freelance-Texter an: nicht beim fertigen Text, sondern beim Prompt selbst. Meine Faustregel dafür ist inzwischen einfach: Kein personenbezogenes oder vertrauliches Detail aus einem Kundenauftrag kommt in eine Eingabe, die ein fremder Server verarbeitet. Alles andere lässt sich anpassen.
Bevor es weitergeht, kurz der ehrliche Hinweis dazu: In diesem Text verlinke ich Tools, die ich in meinem eigenen Alltag als Solopreneurin einsetze, und bei einem Kauf über diese Links bekomme ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin Texterin und keine Juristin, das hier ist mein persönlicher Werkzeugkasten aus zwei Jahren Selbstständigkeit, keine Rechtsberatung.
Warum ein Prompt schon ein DSGVO-Thema für Freelancer ist
Ein potenzieller Neukunde hat mich im Erstgespräch einmal direkt gefragt, ob der Prompt-Input überhaupt durch meine Datenschutzerklärung gedeckt ist. Die ehrliche Antwort damals war nein, meine eigene Datenschutzerklärung sagte schlicht nichts über KI-Tools aus, weil ich beim Schreiben nicht an ChatGPT gedacht hatte, und wie man eine Datenschutzerklärung grundsätzlich aufsetzt, ist ohnehin ein eigenes Thema für sich. Genau diese Lücke hat mich dazu gebracht, meinen Prompt-Workflow neu aufzustellen.
Grundsätzlich gilt: Sobald Daten in ein Tool wie ChatGPT fließen, ist das ein datenschutzrechtlicher Vorgang wie jeder andere auch. Die DSGVO regelt an anderer Stelle ausführlich, was das im Detail bedeutet – hier soll es um die praktische Seite für Freelancer gehen, nicht um Paragrafen.
Falls ein Kunde später konkret nachfragt, was mit seinen Daten in der KI passiert ist, hilft es zu wissen, wie ein Auskunftsersuchen nach DSGVO als Solopreneurin überhaupt abläuft – das habe ich in einem eigenen Eintrag längst durchgespielt.

Meine Kriterien, bevor ein Kundentext in den Prompt wandert
Bevor ein Satz aus einem Kundenauftrag in ein Chatfenster wandert, prüfe ich drei Dinge: Enthält der Text Namen, Adressen oder andere personenbezogene Angaben? Steht in meinem Vertrag mit diesem Kunden eine Vertraulichkeitsklausel, die weiter geht als üblich? Und wäre schon die Grundidee des Textes für den Kunden ein Geschäftsgeheimnis, selbst ohne konkrete Namen? Sobald eine dieser Fragen mit ja beantwortet ist, bleibt mein Prompt allgemein, ich beschreibe die Aufgabe, ohne die eigentlichen Kundendetails preiszugeben. Auf meinem zweiten, schon etwas betagten Monitor liegt dabei meist ein Tab mit meinen AGB offen, direkt neben dem Regal mit den beschrifteten Ordnern für Behördenpost und Verträge, sodass ich auf einen Blick sehe, ob eine Klausel überhaupt zum aktuellen Auftrag passt.
Tools, die die Dokumentation tatsächlich leichter machen
Ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit hatte ich ein kostenloses Impressum-Generator-Tool aus dem Jahr 2019 benutzt, weil es schnell ging und nichts kostete, erst später fiel mir auf, wie veraltet die Vorlage längst war.
Diese Erfahrung sitzt mir im Nacken, wann immer ich einem Tool blind vertrauen will, und das gilt für eine KI-Antwort genauso wie für einen kostenlosen Generator.
Für die Dokumentation meiner KI-Nutzung setze ich deshalb auf etwas Strukturierteres: Der DSGVO Schritt-für-Schritt Generator hat mir geholfen, ein einfaches Verzeichnis meiner Verarbeitungstätigkeiten aufzusetzen, in dem auch ChatGPT als Tool auftaucht – kein Gesetzestext, einfach eine Liste, wer welche Daten wofür verarbeitet.

Die laufende Pflege meiner Rechtstexte erledige ich mit easyRechtssicher, seit 8 Jahren am Markt und mit einer Refund-Rate von nur 2.72 Prozent, für mich ein Zeichen, dass andere Solopreneurinnen damit ähnlich zufrieden sind wie ich. Wie sich Rechtstexte auf der Website aktuell halten lassen, ohne jede Gesetzesänderung selbst zu verfolgen, habe ich an anderer Stelle im Detail beschrieben.
Die Ghostwriter-Falle: Wann ein Prompt zum Vertragsbruch wird
Als Ghostwriter unterschreibe ich seit meinem Start in die Selbstständigkeit regelmäßig Vertraulichkeitsklauseln, die deutlich strenger sind als bei normalen Textaufträgen.
Der Standardtipp, einfach alles zu anonymisieren, reicht in solchen Fällen nicht: Wenn schon der Aufbau eines Kapitels das eigentliche Geschäftsgeheimnis eines Kunden ist, darf diese Struktur nicht in eine Cloud-KI wandern, die damit möglicherweise weitertrainiert. Für solche Aufträge nutze ich entweder ein lokal laufendes Sprachmodell oder schalte in den ChatGPT-Einstellungen unter "Data Controls" die Trainings-Funktion für meinen Account aus, bevor ein einziges Wort des Auftrags in den Prompt kommt.

AGB-Klausel für KI-Nutzung formulieren
Mittlerweile steht in meinen AGB ein eigener Satz zur KI-Nutzung: Ich setze KI-Tools zur Inspiration und für erste Strukturvorschläge ein, füttere sie aber nicht mit sensiblen Kundendaten. Wie eine Texterin überhaupt zu eigenen AGB kommt, ist ein eigenes Thema für sich, für mich war der KI-Satz nur die logische Ergänzung zum bereits bestehenden Grundgerüst.
Wer KI-Tools nutzt, bei denen tatsächlich personenbezogene Kundendaten verarbeitet werden, sollte zusätzlich prüfen, ob dafür ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter nötig ist – ein Thema, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandle.
Kundenbewertungen und KI-sortierte Inhalte veröffentlichen
Kundenbewertungen, die ich vorab mit KI-Analysen sortiere, bevor ich sie veröffentliche, sind ein weiteres Beispiel, bei dem Sorgfalt zählt – wie ich Kundenbewertungen auf der Website rechtssicher einbinden kann, habe ich mir dafür separat angeschaut, bevor ich die erste Bewertung online gestellt habe.
Was ich Freelance-Kolleginnen heute dazu rate
Mein größter Helfer beim Einstieg in dieses ganze Thema war der DSGVO Schritt-für-Schritt Generator, er hat mir das klebrige Gefühl der Überforderung genommen, das mich am Anfang meiner Selbstständigkeit begleitet hat. Ein Einmalkauf, der mir mehr Ruhe verschafft hat, als ich erwartet hätte.
Birgit Tönnis, eine befreundete Webdesignerin aus der Leipziger Freelancer-Szene, behandelt solche Compliance-Fragen grundsätzlich als nüchterne Checkliste, ohne Drama, eine Haltung, die ich mir für den KI-Teil meiner Arbeit inzwischen abgeschaut habe.
Nachdem ich einen Prompt wieder gelöscht habe, weil er zu nah an einem Kundengeheimnis war, lehne ich mich zurück, und mein alter Drehstuhl gibt sein bekanntes kurzes Knacken von sich, ein kleines, beruhigendes Zeichen, dass die Entscheidung schon getroffen ist, bevor der Zweifel zurückkommt. Wer selbst gerade an dem Punkt steht, an dem ChatGPT mehr Bauchschmerzen als Nutzen bringt: klein anfangen, ein Tool zur Dokumentation wählen und die drei Fragen von oben als Checkliste im Kopf behalten, dann wird aus der Angst vor der KI ziemlich schnell ein Werkzeug wie jedes andere.
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